Anti-WEF Demo in Bern

Das Kartenhaus zum Einsturz bringen! End Capitalism!

“Eine globale Architektur schaffen, in Anbetracht der 4. Industriellen Revolution.” Unter diesem Motto treffen sich einmal mehr die sogenannten Führer*innen aus Politik und Wirtschaft in Davos, um die Probleme der Welt anzugehen. Doch wissen wir, dass sie das nicht können, denn ihr hoch aufgebautes Kartenhaus stürtzt langsam in sich selbst ein. Und so scheint auch das Weltretter*innen Bild des Forums langsam zu zerbröckeln.

Über strukturelle Veränderungen in Bezug auf technischen Fortschritt, über Cybersicherheit, über Humankapital und ja sogar über Umweltschutz soll diskutiert werden. Das Verstärken der internationalen Beziehungen und die Zusammenarbeit soll Grundlage genug sein, all das zu realisieren. Und wenn die Damen und Herren am WEF schon dabei sind, wollen sie auch noch über Frieden und Versöhnung sprechen, denn auch das soll die Stärkung der internationalen Beziehungen möglich machen. Mit wem genau man da diskutiert scheint nebensächlich. Denn die geladenen und teilnehmenden Personen repräsentieren die Staaten die Krieg treiben, die globalen Probleme erst schaffen und die Firmen die davon profitieren.

Weltweit erstarken autoritäre, konservative und faschistische Parteien. Sie ziehen in Parlamente ein und bilden Regierungen. In Italien gewannen die 5 Sterne Bewegung zusammen mit der faschistischen Lega Nord die Wahlen und stellen nun die Regierung. In Österreich regiert die FPÖ, die aus einem Zusammenschluss von Nationalsozialist*innen nach dem 2. Weltkrieg gegründet wurde, gemeinsam mit der ÖVP. Diese forderten am EU Gipfel in Salzburg die Grenzschutzagentur Frontex von 1’600 auf 10’000 Personen aufzustocken. Sowohl in Polen als auch in Ungarn stellen nationalkonservative Parteien zusammen mit Rechtspopulist*innen die Mehrheit in den Parlamenten, was sich extrem auf die Lage von Minderheiten in diesen Ländern auswirkt. In der Türkei treibt das Militär unter der Führung des Präsidenten Erdogan einen fürchterlichen Krieg gegen die kurdische Bevölkerung und linke Opposition und ist sich dabei nicht zu schade mit Terroristen des IS zusammenzuarbeiten. In den USA ist nach wie vor Donald Trump an der Macht und auch in Brasilien regiert nun ein Mann der öffentlich Frauen, Homosexuelle und andere Minderheiten diskriminiert. Auf den Philippinen ist zur Zeit Duterte an der Macht, der öffentlich zu Mord an Drogensüchtigen und Kriminellen aufruft. Die Liste faschistischer und rechter Politiker und Parteien im Aufschwung ist traurigerweise noch länger. Doch aus all diesen Ländern werden Regierungschefs, Aussenminister oder Abgeordnete an dem Forum in Davos teilnehmen. Und sie werden das WEF nicht als eine Möglichkeit zur Diskussion über Frieden und Versöhnung sehen, sondern werden die Gelegenheit nutzen, um ihre eigenen Interessen durchzusetzten.

Es sind aber weit mehr als nur die Regierungen die am Forum in Davos teilnehmen werden. Aus aller Welt strömen Vertreter riesiger Konzerne ans WEF. Unter ihnen sind Vertreter*innen von Grossbanken wie UBS, Credit Suisse oder HSBC, alles Banken die sich an umstrittenen Projekten wie der Dakota Access Pipeline beteiligen oder in die Rüstungsindustrie investieren. Auch andere WEF Partner wie die ABB fördern die Produktion von Waffen und Kriegstechnologie. Sie alle verbindet das Geschäft am Krieg. Dabei spielt es keine Rolle, an wen man die Waffen verkauft oder was damit gemacht wird. Hauptsache die Konflikte halten an und die Lieferungen nehmen zu. Auf das Leiden der lokalen Bevölkerung in den Kriegsregionen wird dabei keine Rücksicht genommen. Ebenfalls werden Vertreter*innen von BlackRock, Nestlé, Glencore und Monsanto nach Davos reisen, Firmen die massgeblich an Verarmung oder Landgrabbing in Drittweltstaaten verantwortlich sind und durch Monopole und Abzockungsverträge tausenden Bauern die Lebensgrundlage entziehen.

Der unendlichen Gier nach Profit und Macht, die sich am Forum in Davos trifft, sind kaum Grenzen gesetzt. Ob national, autoritär oder wirtschaftsliberal spielt hier überhaupt keine Rolle. Den Herrschenden in Davos geht es darum, ihr Kapital zu steigern. Doch dies wird ihnen nicht ewig gelingen. Überall auf der Welt regt sich starker Widerstand gegen diese Politik. Sei das bei den G20 Gipfeln in Hamburg oder Buenos Aires, in Brasilien bei Protesten gegen den neuen Präsidenten, in Frankreich bei den Aufständen der Gelbwesten oder in Rojava wo die Revolution und eine solidarische Gemeinschaft aktiv gelebt wird. Der Kapitalismus zeigt immer wieder Zerfallserscheinungen. In der Schweiz findet er aber weiterhin in Davos ein ruhiges Hinterland um sich zu stärken.

Lassen wir das nicht mehr länger tatenlos geschehen! Nehmen wir uns die Strasse um unseren Protest laut kundzutun! Lassen wir die Herrschenden unsere Wut fühlen! Kein ruhiges Hinterland für Nazis und Kapitalist*innen! Bringen wir das Kartenhaus zum einstürzen! End Wef, End Capitalism! Für die soziale Revolution!

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Anti-WEF Demo in Bern

Kein ruhiges Hinterland

In Wohlen bei Bern sind „Anti-Antifa“ Sprays aufgetaucht. Dies insbesondere über alte Graffitis von uns. Dies nahmen wir zum Anlass den Wänden einen neuen Anstrich zu verpassen. Kein ruhiges Hinterland – Nazis aufs Maul, wo wir sie treffen!

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Kein ruhiges Hinterland

Anti-WEF Winterquartier in Bern

Mit dem World Economic Forum finden sich jährlich die Herrschenden zu einem Gipfeltreffen im Schweizer Hinterland in Davos zusammen. Im Rahmen der Anti-WEF-Kampagne organisieren wir – nach Vorbild der Genoss*Innen aus Zürich – das Veranstaltungswochenende „Winterquartier“ auch in Bern. Am Wochenende vom 4.-6. Januar laden wir zu verschiedenen Vorträgen und Workshops im Tojo und im Kino der Reitschule Bern ein.
Im Winterquartier bietet sich die Möglichkeit, die generellen Herausforderungen der revolutionären Linken zu diskutieren, unsere Praxis zu reflektieren und Inspirationen von GenossInnen aus anderen Ländern einzuholen. Damit wollen wir zudem einen Beitrag dazu leisten, die Erfahrungen aus der damaligen Anti-Globalisierungsbewegung als kollektives historisches Bewusstsein nutzbar zu machen.

Die Anti-Globalisierungsbewegung riss das WEF jäh aus seiner verschwiegenen Ruhe und machte es als beispielhaften Ausdruck der kapitalistischen Globalisierung weltweit sichtbar und angreifbar. Heute – 20 Jahre später – steht nicht nur die revolutionäre Linke, sondern auch das WEF selbst vor neuen Herausforderungen. Die umfassende kapitalistische Krise hat sich ökonomisch, politisch und kulturell weltweit und auf allen Ebenen der Gesellschaften Bahn gebrochen.
Während die Anti-Globalisierungsbewegung die kapitalistische Globalisierung primär als neoliberalen Angriff verstand, von unten bekämpfte und ihr die internationale Solidarität entgegenstellte, wird die Integration des Weltmarktes heute immer mehr von Bourgeoisien verschiedener Länder in Frage gestellt. Heute müssen die WEF-Strategen ihren Freihandel gegen einen Protektionismus verteidigen, der aus ihren eigenen kapitalistischen Reihen entstammt. Damit wird am WEF sichtbar, in welcher Krise das kapitalistische Weltsystem steckt. Wenn das WEF also Globalisierung predigt, dann vertritt es ein in die Krise geratenes Regime der diplomatischen Aufteilung der Welt unter den imperialistischen Mächten, der Öffnung der Märkte und des neoliberalen Angriffs auf die Arbeits- und Lebensbedingungen.

Programm:
* Das Programm kann sich noch ändern und insbesondere erweitern.
Freitag 19:30
Die Digitalisierung der Rüstungsindustrie
Aufgezeigt anhand von WEF-Partnern und Teilnehmenden

Die Digitalisierung ist in allen Bereichen des Lebens auf dem Vormarsch. So auch in der Rüstungsindustrie, die mit grossen Investitionen der kriegstreibenden Staaten versuchen, das Töten durch moderne Technik immer präziser und einfacher zu machen.
Wenn in Davos über die Digitalisierung gesprochen wird, werden auch Firmen, Staaten und Banken am Tisch sitzen, die direkt Teil der Rüstungsindustrie sind oder in diese grosse Summen investieren.

Samstag 12:00 (Achtung geänderte Zeit)
Digitalisierung von unten
Tails Workshop

Die Digitalisierung bringt einerseits den Staaten mehr Möglichkeiten zur Überwachung und Repression. Andererseits bieten sich auch uns neue Wege zur Kommunikation, Mobilisierung und Organisation. Dies bedingt aber einige Vorkehrungen zur Sicherheit. Dabei kann uns das Tails-System ein hilfreiches Werkzeug sein. Dies soll in einem Workshop erklärt und zugänglich gemacht werden.

Samstag 13:00
Rechtsruck in Österreich

Seit der letzten Wahl in Österreich, wird das Land von einer rechts-nationalen Koalition regiert. Mit Sebastian Kurz ist ein Rechtspopulist und Rassist als Regierungschef.
Die Genoss*Innen der Autonomen Antifa [w] kommen aus Wien, um über die aktuelle Lage zu erzählen.

Samstag 15:00 (Achtung geänderte Zeit)
Die Militarisierung in Brasilien

Mit Jair Bolsonaro hat Brasilien einen Faschisten zum Präsidenten gewählt, der offen die Militärdiktatur verherrlicht und die Repressionsorgane massiv aufrüsten will. Doch auch schon zuvor schritt die Aufrüstung in Brasilien schnell voran und wurde zu einem Hauptabnehmer für Schweizer Rüstungsgüter.
Peter, Journalist der jungen Welt, erzählt per Live Stream aus seinem Expertenwissen.

Samstag 17:00 (Achtung geänderte Zeit)
WEF: Zwischen Korporatismus und Autoritarismus

Mit einem rasanten Tempo driftet das gesamte bürgerliche Spektrum insgesamt nach rechts ab und freundet sich wieder mit autoritären Herrschaftsoptionen an. So sind heute in Europa, der Türkei, der Ukraine, den USA und Brasilien und anderen Ländern reaktionäre bis offen faschistische Bewegungen Teil der Regierungen. Die WEF-StrategInnen stehen heute also vor der Herausforderung, das neoliberale Projekt im Übergang vom korporatistisch-demokratischen Regime in neue autoritäre Herrschaftsformen zu retten und gleichzeitig die Gefahr von innerimperialistischen Konflikten und von Aufständen der unterdrückten Klassen zu dämmen. Auch wir werden an einer Veranstaltung in unserem Polit-Wochenende analysieren, zu welchen Schlüssen die WEF-StrategInnen dabei kommen und erhoffen uns damit auch Aufschluss darüber, welche Krisenoptionen die herrschenden Klassen momentan diskutieren und mit welchen Angriffen wir in Zukunft rechnen müssen.

Samstag 20:30
Film „Accidental Anarchist“ (EN)

Carne Ross was a government highflyer. A career diplomat who believed Western Democracy could save us all. But working inside the system he came to see its failures, deceits and ulterior motives. He felt at first hand the corruption of power. After the Iraq war Carne became disillusioned, quit his job and started searching for answers. This film traces his journey across the globe as he tries to find an answer to the question so many people today are asking themselves – isn’t there a better way? For Carne there is. Anarchism offers a solution to the brutalities of Capitalism and the dishonesties of Democracy. It offers a world where people have control over their own lives. From the protesters of Occupy Wall Street, to an anarchist collective in Spain, to Noam Chomsky, the grand old man of anarchism himself, Carne finds people who are putting the theory into practice. His journey eventually takes him to one of the most dangerous places on earth – Syria, eight kilometers from the front line with Isis, where a remarkable anarchist state has risen phoenix like from the flames. A powerful film about one man’s epic journey from government insider to anarchist.

Sonntag 14:00
Frauenstreik 2019 in Bern

Für den 14. Juni 2019 wird ein schweizweiter Frauenstreik geplant. Dazu hat sich auch in Bern eine Koordinationsgruppe gebildet. In der Koordinationsgruppe sind Frauen, die sich gerne mit möglichst vielen anderen Frauen in der Stadt Bern und im Kanton Bern für den Frauenstreik am 14. Juni 2019 organisieren möchten. Einzelpersonen dieser Gruppe werden das Projekt bei uns vorstellen und Fragen von Interessierten beantworten.

Samstag durchgehend:
Infotisch
Foodtruck


Sonntag durchgehend:

Transparente malen
Kaffee und Kuchen

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Anti-WEF Winterquartier in Bern

Gasmasken für die Guerilla

Die Guerilla in den kurdischen Bergen befindet sich seit 2015 wieder in einem Krieg gegen die türkische Armee. Dies als Reaktion auf den von der Türkei abgebrochenen Friedensprozess. Bei diesem Krieg setzt die Türkei Giftgas ein. Um sich dagegen bestmöglich zu schützen und kampffähig zu bleiben, wollen wir die PKK und die mit ihr verbündeten revolutionären Guerillas mit Gasmasken unterstützen! Ein wichtiger Stützpunkt der revolutionären Befreiungsbewegung sind dabei die Berge des Medya Verteidigungsgebietes im Nordirak. Die Guerilla ist hier mit ihrer jahrzehntelangen Erfahrung weit überlegen. Der türkische Staat setzt deshalb auf Angriffe aus der Luft, bei denen unter anderem auch Giftgas eingesetzt wird. Bei den Bombardierungen kommen neben tonnenweise TNT auch chemische Stoffe zum Einsatz. Wie Verantwortliche der HPG, der Guerilla-Einheit der PKK berichten, werden regelmässig Bomben abgeworfen, die eine tödliche Gaswolke mit sich bringen. Das Giftgas wird eingesetzt, um auch Bunker und Höhlen der Guerilla zu treffen, welche mit den herkömmlichen Bombardements nicht getroffen werden können. Die HPG ist alarmiert und ruft zur sofortigen Unterstützung auf. Darum sagen wir: Die Guerilla braucht Gasmasken!
Nachdem die PKK zusammen mit vielen weiteren Revolutionären einen grossen Anteil am Sieg gegen den Islamischen Staat hatten und dafür international bejubelt wurden, bleibt ein grosser Teil der Weltöffentlichkeit bei den jüngsten Angriffen auf die Guerillas still. Dies wollen wir ändern! Gasmasken können gekauft oder aus privaten Beständen gespendet werden. Damit die Guerilla bestmöglich unterstützt werden kann, rufen wir zum Spenden auf unten stehendes Konto auf. Mit den eingenommenen Spenden werden wir Gasmasken kaufen und die Logistik organisieren. Wir dürfen uns aber nicht damit begnügen, unsere Solidarität mit materieller Unterstützung auszudrücken. Internationale Solidarität heisst immer auch: Selber kämpfen!
Die Schweiz unterhält enge politische und wirtschaftliche Beziehungen zum AKP-Regime. Und als kapitalistisches Kernland ist die Schweiz – ebenso wie Deutschland oder die USA – an der globalen Ausbeutung und Unterdrückung beteiligt. Die Schweiz exportiert nach wie vor Waffen und Munition in die Türkei. Die Verteidigung der revolutionären Perspektive dort heisst, auch die revolutionären Kräfte hier zu stärken. Und umgekehrt: Um unsere Kämpfe zu stärken, müssen wir die Revolution in Kurdistan verteidigen!

 Spendenkonto: BE 58 3101 1646 7279 Verwendungszweck „Gasmasken“

aufbau.org – revolutionär.ch – rjz.ch – rojava komitee basel
devrimcicephe.org revmob.ch – secours rouge genève – partizan schweiz

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Gasmasken für die Guerilla

GiletsJaunes – Kurzer Besuch bei der Bewegung am 8. Dezember in Paris

Wir waren als nicht-neutrale Beobachtende vor Ort, haben viele Fotos geschossen. Aber nicht aus journalistischer Aussenperspektive sondern in der Innenperspektive. Wir haben Gespräche geführt und versucht, die Motivation der Menschen besser zu verstehen. Wichtig dabei ist, dass die Bewegung in Paris nur einen kleinen Teil der gesamten gilets jaunes repräsentiert. Wir haben deshalb keinen Anspruch auf vollständigkeit.

Was ist passiert:
Am Morgen schlossen wir uns den Aufrufen von antifaschistischen und antikapitalistischen Gruppen an, sich beim Bahnhof St. Lazar zu versammelten. Von dort aus liefen die Gelbwesten zuerst für gut zwei Stunden unbewilligt durch das Quartier. Die Polizei platzierte sich rund um das Quartier und formte einen grossen Kessel, welcher einem Freiluftkäfig nahe kam. Viele Protestierende realisierten die Polizeistrategie nicht sofort und so wurden immer wieder Versuche unternommen, doch noch das Quartier in Richtung Stadtmitte zu verlassen. Die Polizei hinderte die Menschen jedoch mit einem riesigen Aufgebot daran. Zudem versuchten sie, die Massenumzüge immer wieder in kleinere Umzüge zu teilen. Die Protestierenden antworteten sehr zurückhaltend und friedlich, viele empörten sich, dass die Polizei sie trotz der friedlichen Stimmung nicht weiterlaufen liess. Ein anderer Einsatz, welcher viele Polizeikräfte von unserem Ort abzog ermöglichte es Tausenden, in Richtung zu Elysée zu laufen. Der Marsch dort hin glich eher einem riesigen Spaziergang.

Mit diesem riesigen Umzug gelang es, nahe an den zentralen Triumphbogen heranzukommen. Dort stoppte die Polizei mit massivem Tränenengaseinsatz die Gelbwesten. Erste Protestierende schlugen daraufhin den parkierten Polizeiautos die Scheiben ein. Daraufhin zogen sie die Fahrzeuge ab und wurden dabei noch massiv mit Steinen und Flaschen beworfen.
Die Polizei versuchte dann auf den nächsten hundert Meter immer wieder die Protestierenden auf Distanz zu halten. Aus dem Umzug heraus kam eine grosse militante Antwort, es wurden Steine geworfen, Strassenbarrikaden gebaut, und auch immer wieder versucht, mit der Masse die Polizeiwand zurückzudrängen. Vieles von dem funktionierte und die Polizei musste kontinuierlich Strassenmeter freigeben. Je länger die Auseinandersetzung dauerte, desto gewalttätiger wurde die Polizei. So wurden Hunde auf die Demosanitäter*innen gejagt, Fotografen mit Pfefferspray eingesprüht und Demonstrierende brutal niedergeknüppelt. Flashballs (Schockgranaten) verletzten durch ihre starke Druckwelle bei der Explosion viele Leute. Auch das grosskalibrige Gummischrot wurde nahezu immer auf Kopfhöhe abgefeuert. Es handelt sich dabei um die selbe Art 40mm-Granatwerfer, wie sie die Polizei in Bern neuerdings auch einsetzt.
Im erkämpften Raum in der „Avenue de Friedland“, in der nähe des Triumphbogens wurden einige Luxusgeschäfte aufgebrochen, anderen die Scheiben zerstört.

Anders als oftmals zu erwarten wurden die Waren nicht sofort entwendet und mitgenommen, sie wurden in hohem Bogen auf die Strasse geworfen, alle konnten sich bedienen, wobei der grössere Teil auf die brennenden Barrikaden flog. Auch das Mobiliar der Läden wurde zum Barrikadenbau verwendet. Zudem wurden teure Autos umgedreht und angezündet. Nach einigen Stunden konnten die Barrikaden nicht mehr gehalten werden und die Protestierenden mussten sich zurückziehen.

Was für Leute waren dort?
Kurz gesagt: Alle. Wir sahen sehr viele proletarisierten Menschen, Menschen welche Tag für Tag zur Arbeit fahren, Menschen welche du jeden Morgen im Zug siehts, Leute die beim Einkaufen mit dir in der Schlange stehen oder hinter der Kasse sitzen.
Die auffallend grossen Beteiligung von jungen Frauen zeigt, dass auch die sexistische Ausbeutung der Arbeiter*innen eine Motivation darstellt, sich an den Protesten zu beteiligen. Zudem sah man junge Migrant*innen welche ihrer Wut über die tagtägliche Diskriminierung ausdrückten, oder ältere Menschen welche durch die Kürzungen der Renten den Druck der Regierung auf ihr Portemonnaie spüren und sich darum den Protesten anschliessen.

Wie agierte die Linke?
Zu Beginn der Proteste waren einige linke Gruppierungen wie auch u.A. Gewerkschafter*innen der SNCF präsent. Bei den Protesten im Zentrum und den darauf folgenden Strassenkämpfen sah man relativ wenig „typische“ Linke. Anarchist*innen beteiligten sich jedoch den ganzen Tag an den Protesten, sie sprühten Parolen, leisteten direkte Unterstützung durch eine eigene Antirepressionsstruktur und beteiligten sich am Barrikadenbau und dem Kampf gegen die Polizei.
Anarchist*innen haben viel dafür investiert, dass ihre politischen Ideen sichtbar wurden und haben auch unterstützende Funktionen eingenommen.

Abseits der grossen GiletesJaunes Protesten im Zentrum der Stadt zog eine grosse Demo gegen den Klimawandel durch Paris. Daran beteiligten sich viele Parteien, Organisationen und Gewerkschaften. Uns fehlte dort ein klassenkämpferischer Charakter und wir empfanden die Stimmung als zu befriedet und routiniert. Spontanität und Wut fehlten, auch wenn versucht wurde die beiden Bewegungen zu vereinen.

Was war mit den Rechten?
Auf dem Weg nach Paris begegneten wir einer grösseren Gruppe Rechter, welche auf dem Weg zu einer Demonstration war. Jedoch in Paris hatten die Rechten keine Chance. Durchaus war die Tricolore als Identifizierungszeichen der Demonstrierenden präsent. Jedoch wird sie nicht als Lobeshymne auf den Staat verstanden, vielmehr wird sie im Bezug auf die Französiche Revolution, auf liberté, égalité, fraternité (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) bezogen.
Natürlich sahen wir nur einen kleinen Teil der Bewegung. In Paris waren jedoch vorwiegend Solidarität zu spüren.

Gemäss verschiedenen Berichten ist eine grössere Gruppe Neonazis abgezogen, nachdem sie sahen, dass die Linke wesentlich stärker war und grossen Einfluss auf die Bewegung nahm. Bestimmt waren Rechtsextreme durchgehend anwesend. Jedoch konnten sie sich in keinem Moment politisch artikulieren, offen auftreten oder irgendeine wichtige Rolle übernehmen. Einzig die ausserparlamentarische Linke konnte dies.

Wie verhielt sich der Grossteil der Leute?
Die Massen zeigten sich entschlossen. Auf herkömmliche Protestformen wurde verzichtet, die Massen bewegten sich relativ unkoordiniert und ohne zentrale Führung in der Stadt. Viele Menschen trugen durch ihre Kreativität und ihre Emotionen ihren Teil zum Protest bei. So gab es inmitten der Strassenkämpfe auch Platz für pazifistischen Aktionen. Die militanten Aktionen gegen Luxusgeschäfte, gegen Regierungsgebäude oder Fahrzeuge wurden vom Grossteil der Massen bejubelt. Es gab Kritik, aber keine Distanzierungen von den Aktionen während den Aktionen. Eine Frau, mit der wir gesprochen haben, kritisierte Beispielsweise das Einschlagen der Scheibe eines Immobilienmaklers als „unnötig“, äusserte sich aber sehr wohlwollend dazu, dass auf der anderen Strassenseite die Fensterscheiben der Handelskammer mit hunderten (!) Steinen und anderen Wurfgegenständen eingedeckt wurden.

Eine ältere Dame, die sich etwas abseits auf einer Sitzbank ausruhte, meinte nur, das sei ja wie Krieg. Sie musste aber lachen und stimmte zu, als eine Frau daneben meinte, das sei halt manchmal nötig.
Wir hatten den Eindruck, dass jene, die die Gewalt gegen die Polizei nicht guthiessen dennoch nie von ihrem Plan abwichen, in Richtung der Elysée zu ziehen. Auch wer selber keine Gewalt angewandt hat, ist mit der Masse vorgerückt, wenn die Polizei zurückgewichen ist. Allgemein sahen wir, dass es kaum Konkurrenz zwischen pazifistischen und militanten Protestformen gab. So waren beispielsweise im SNFC-Block schwarz vermummte Schulter an Schulter mit Selfie-Streamenden Menschen.

Wie verhielten sich die Bullen?
Zu Beginn hat die Polizei (wie oben beschrieben) grösstenteils versucht, die Masse in einem weitläufigen Kessel zu halten und in kleinere Gruppen aufzuteilen. Zunächst ging ihr Plan auf. Als dann aber ein Weg Richtung Triumphbogen frei wurde, konnte die Polizei nicht mehr versuchen, einen Kessel aufrecht zu erhalten und musste sich auf die Verteidigung des Triumphbogens konzentrieren. Da viele Strassen zu diesem Zentrum führten, waren dort viele Bullen gebunden.

Je weiter die Polizei zurückgedrängt wurde, desto gewalttätiger wurde sie. Sie setzte einerseits unglaublich viel Tränengas ein (verdammt viel, wirklich verdammt krass viel). Zusätzlich schossen sie mit 40mm Gummigeschossen von relativ kurzer Distanz auf die Köpfe der Protestierenden. Dies führte zu zahlreichen Verletzungen. Wir klären derzeit ab, ob die Granatwerfer aus der selben Thuner Produktion kamen, wie jene der Berner Polizei oder libyscher Dschihadisten.

Hinzu kamen Schockgranaten (Flashballs), die mit einer grossen Druckwelle und enorm lautem Knall, die einerseits Schmerzen zufügen und in der Orientierung kurzzeitig einschränken. Aus kurzer Distanz können sie schwere Verletzungen anrichten. Ein Demonstrant, welcher versuchte, eine solche Granate von sich wegzuwerfen, verlor dabei seine gesamte Hand und ein Teil seines Unterarmes. Bilder ersparen wir euch an dieser Stelle.

Wenn du den Text bis zum Ende gelesen hast, aber noch viele Fragen offen hast:
Da das ganze Thema ziemlich riesig ist und es sehr schwer ist, unsere gesamten Eindrücke in ansprechender Form zu präsentieren, würden wir gerne von euch wissen, welche Fragen euch interessieren. Wenn es uns möglich ist, werden wir unsere Analysen und Beobachtungen dazu sehr gerne mit euch teilen.

Veröffentlicht unter Demo/Aktion, International | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentare deaktiviert für GiletsJaunes – Kurzer Besuch bei der Bewegung am 8. Dezember in Paris

Kein Meter den Nazis.

In Basel und Bern kam es in den letzten zwei Wochen zu Versuchen der PNOS sich die Strasse zu nehmen. In Basel haben rund 40 PNÖSler ihre antisemitischen, sexistischen und rassistischen Verschwörungstheorien untereinander ausgetauscht. Die Bevölkerung erreichten sie damit kaum, da sich über 1500 Antifaschist*innen ihnen entgegenstelten. So konnte die PNOS nicht wie geplant demonstrieren, sondern sie mussten sich in einem Hinterhof verstecken und konnte nur mit massivem Polizeischutz ihre kurze Kundgebung durchführen. Sogar ihre sogenannt „Kampfelite“ der „Ahnensturm“ bekam etwas von unserer Wut ab und musste verletzt von dannen ziehen… Ein klarer Erfolg der Antifaschistischen Gegenmobilisierung!

Eine Woche später versuchte die PNOS ihren jährlichen Parteitag durchzuführen. Auch hier gelang es den ersten geplanten Veranstaltungsort zum Abwinken zu bewegen. Aus Angst vor einer Konfrontation wurde der Parteitag in Oensingen verboten und die PNOS musste ihn dann ganz im kleinen in Melchnau abhalten. Zeitgleich zogen gut 800 Antifaschist*innen in Bern auf die Strasse um dem rechten Mob ein klares Zeichen zu senden.

Es fällt leicht der PNOS das Leben schwer zu machen. Dies ist unser aller Erfolg, lassen wir RechtspopulistInnen, SexistInnen, NationalistInnen, RassistInnen und FaschistInnen keinen Platz!

No Pasaran!

Veröffentlicht unter Allgemein, Demo/Aktion | Verschlagwortet mit , | Kommentare deaktiviert für Kein Meter den Nazis.

Erfolgreiche Gedenkdemo: Erinnern heisst kämpfen!

Communiqué zur „Erinnern heisst Kämpfen“-Demonstration von 09.11.2018

Heute Abend haben sich 450 Menschen zu einer lautstarken, kämpferischen und vielfältigen Demonstration eingefunden um ein starkes Zeichen für eine solidarische Zukunft zu setzen. Fünf Reden begleiteten den Umzug durch den Abend. Zu Beginn der Demo wurde ein Video mit Augenzeug*innen-Berichte an die Heiliggeistkirche projiziert.

Heute jährte sich zum achzigsten Mal die Reichpogromnacht, was wir zum Anlass nahmen, den Opfern des NS-Regimes zu gedenken. Wir gingen gegen antisemitische Ressentiments, die menschenverachtende Migrationspolitik und das Wiederaufflammen faschistischer Bewegungen auf die Strasse.

Die Reichspogromnacht 1938 bildete den Auftakt zur systematischen Vernichtung der jüdischen Bevölkerung Europas. In den folgenden Tagen des 9. Novembers 1938 verschleppten die Nationalsozialisten über 30‘000 jüdische Menschen in Konzentrationslager. Nie wieder wollen wir solche Ereignisse tatenlos akzeptieren. Wenn wir uns umblicken, sehen wir eine Welt, die nicht nur zum Nachdenken, sondern um Handeln auffordert!

Die Ereignisse in Chemnitz und Köthen, wo Neonazis mit Parolen wie „Für jeden toten Deutschen einen toten Ausländer“, „Frei, sozial und national!“, sowie mit Hitlergrüssen durch die Strassen marschierten, sind Sinnbild für das vergiftete gesellschaftliche Klima. Fremdenfeindlichkeit und rechtsradikales Gedankengut konnten sich wieder bis weit in die Mitte der Gesellschaft etablieren. Systematische Diskriminierung und Angriffe auf Geflüchtete gehören in Europa zur Tagesordnung. An der Grenze zur Festung Europa ertrinken tausende Menschen im Mittelmeer oder verdursten in der Wüste. Nationalistische und faschistische Parteien und Bewegungen gewinnen immer mehr an Stärke. Die Rechten in Chemnitz griffen und pöbelten Menschen an, welche nicht in ihr Weltbild passten, und in der Folge wurde ein jüdisches Restaurant angegriffen. In Ungarn wurde mit antisemitischen Plakaten Wahlkampf geführt. In Basel gab es mehrere Attacken gegen eine jüdische Metzgerei. In Pittsburgh ermordete ein weisser Amerikaner, durch Verschwörungstheorien radikalisert, in einer Synagoge elf Menschen.

Die Angriffe und antisemitischen und rassistischen Vorstellungen sind eine Folge falscher Ideologien über Gesellschaft und Ökonomie. Jüdische Menschen werden, u.a. aufgrund historisch gewachsener, religiöser Verbote für Christ*innen mit Zins zu handeln, mit eben dieser Sphäre des Kapitalismus assoziiert. Anstatt also systematische Ursachen für Krisen und Ungerechtigkeiten im Kapitalismus zu suchen,werden Angst und Hass auf jüdische Personen gelenkt. Die NSDAP sah sich beispielsweise im Kampf für das ‚gute Industrie-Kapital‘ und gegen das ‚raffende, jüdische Kapital‘, worunter u.a. der Zins verstanden wurde. Anstatt die kapitalistische Konkurrenzgesellschaft aufzuheben, wird eine weitere Konkurrenz eröffnet. Ein heute erschienener Artikel des Ajour-Magazins erklärt die komplexen Zusammenhänge zwischen Antisemitismus und falscher Kapitalismus-Kritik besser, als wir es mit diesen wenigen Worten könnten: https://www.ajour-mag.ch/gesellschaft-und-gewitter-aus-sta…/

Heute Abend standen wir nicht nur gegen menschenfeindliche Ideologien, sondern auch für eine solidarische Zukunft ein. Wir wollen eine Welt, die auf gegenseitiger Hilfe basiert, bedürfnisorientiert und nachhaltig produziert. Eine Welt, in der Menschen im Einklang mit der Natur und ohne Herrschaft untereinander leben. Eine Welt, in der wir Menschen nicht in Kategorien zwängen und nach diesen bewerten. Das bedeutet für uns, dass wir genau jene Systematiken aufheben wollen, die für Krisen, Ausbeutung, Kriege, humanitäre Katastrophen und die Zerstörung der Umwelt verantwortlich sind: Staat und Kapital. Für eine staats- und klassenlose Gesellschaft! Es lebe die Freiheit!

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Erfolgreiche Gedenkdemo: Erinnern heisst kämpfen!