Der folgende Text thematisiert sexualisierte Gewalt, bzw. den Umgang damit in schriftlicher Form.
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Die Revolutionäre Jugend Gruppe Bern (RJG) löst sich auf. Dies weil wir, die Frauen, Lesben, inter-, nonbinären- und trans Personen (FLINT Personen) der Gruppe, diese Auflösung gefordert haben. 
 
Wieso löst sich eine politische Gruppe nach mehr als zwölfjährigem Bestehen plötzlich auf?
Für uns FLINT Personen kommt diese Auflösung gar nicht plötzlich, sondern aus der Sicht von den heute aktiven FLINT Personen wurden die Grundsteine für unsere Auflösungforderung schon früh gelegt. Struktureller Sexismus, insbesondere übergriffiges Verhalten, Unwillen für feministische Bildung und die fehlende Bereitschaft, FLINT Personen und ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen bildeten ein Fundament für die Ausrichtung dieser Gruppe. Hingegen fehlten ihr Grundpfeiler wie politische Grundsätze und Selbstverständnis. 
Immer wieder wurden diese Probleme (von v.a. FLINT Personen) angesprochen und von der Gruppe viertelherzig angegangen, jedoch nur um nach kurzer Zeit wieder in alte Muster zu verfallen.
Unsere Forderung der Auflösung dieser Gruppe ist ein Versuch, endgültig mit diesen Mustern zu brechen.
 
Die Auflösungsforderung stellten wir FLINT Personen der Gruppe geschlossen. Doch unsere individuellen Gründe dafür sind vielfältig, denn wir haben unterschiedliche Prioritäten, politische Herangehensweisen und Positionierungen. Wir versuchen dieser Vielfalt in diesem Text möglichst gerecht zu werden. Vielfältig waren auch die Gründe, wieso Menschen die Gruppe verliessen oder deren Auflösung befürworteten. Wir FLINT Personen der RJG thematisieren in diesem Text primär den strukturellen Sexismus der Gruppe. 
 
Weiter wollen wir mit diesem Text erreichen, dass ihr eure Gruppen und Kollektive an sich und deren Strukturen hinterfragt. Wir möchten für FLINT Personen an anderen Orten und in anderen Organisationen weitere Beispiele dafür geben, dass die Kämpfe, die wir auch innerhalb unserer Bewegungen führen müssen, nicht zufällig sind, sondern global sind und Struktur haben. Damit wollen wir unsere verbündeten FLINT Aktivist:innen ermutigen, ihre Wut ernst zu nehmen, denn sie ist mehr als berechtigt.
Mit diesem Text schaffen wir uns nun eine Plattform, um unsere Wut auszudrücken.
 
Denn Gründe wütend zu sein gibt es genug. So wurde uns im Frühling dieses Jahres einmal mehr schmerzlich bewusst, was für ein toxisches und gefährliches Umfeld insbesondere für FLINT Personen die linke Szene im Allgemeinen und die RJG spezifisch sind. In unserem Umfeld wurden mehrere Fälle von sexualisierter Gewalt bekannt und eine Person, die im Frühjahr zur RJG stiess, stellte sich als Täter heraus. Uns schien es so, als ob an den cis Männern unserer Gruppe die Übergriffe spurlos vorbei gingen. Wir waren konfrontiert mit Desinteresse an einer für uns überlebenswichtigen Frage, nämlich dem Umgang mit Gewalt an FLINT Personen. Wir trafen auf Unverständnis für das Ausmass und die Auswirkungen von sexualisierter Gewalt. Es herrschte ein Unwille, die eigene Mitverantwortung im Bezug auf sexualisierte Gewalt anzuerkennen. Und wir erfuhren Ablehnung und Angriffe für unsere Arten und Weisen, mit sexualisierter Gewalt in unserem Umfeld umzugehen. 
 
Für uns war endgültig klar, dass die RJG so nicht mehr länger existieren darf. Sexismus ist klar in der Struktur der RJG verankert und wird immer wieder reproduziert, was eine Reformation dieser Struktur unmöglich und eine Abschaffung der RJG notwendig macht. Es bringt nichts Strukturen „feministisch“ zu reformieren, wenn generell Grundsätze in dieser Struktur fehlen. Die RJG hat sich während ihrem Bestehen kaum mit ihrem Selbstverständnis und ihrer Rolle in einem revolutionären Kampf auseinandergesetzt. So existierten unter den Mitgliedern der RJG auch keine festgelegten gemeinsamen Ziele und politischen Grundprizipien. Ohne diese Ziele und Grundprinzipien fehlten auch klar formulierbare Ansprüche an die Mitglieder der Gruppe. Dies weil kein Fundament existierte, worauf wir uns mit unseren Ansprüchen hätten beziehen können.
Besonders akut wurde dieses Problem, als wir oben genannten Täter, sowie Gruppenmitglieder, die ihn in Schutz nahmen, aus der Gruppe ausschliessen wollten. So absurd es klingt, aber da feministische Prinzipien keinen festgeschriebenen Bestandteil der Gruppe bildeten, mussten wir uns die Legitimation und die Kraft, diese Ausschlüsse zu fordern, über Wochen mühselig erkämpfen. 
 
Das ist ein Beispiel welches zeigt, dass eine gewisse Verbindlichkeit in politischen Strukturen insbesondere für FLINT Personen eine grosse Wichtigkeit darstellt. Nur wenn gewisse Grundsätze und Umgangsformen vorausgesetzt werden können ist es für FLINT Personen überhaupt möglich in diesen Umfeldern politischer Arbeit im grösseren Sinne nachzugehen. Sonst müssen wir, um überhaupt in diesen politischen Umfeldern existieren zu können, auch noch intern einen Kampf führen. Wir wollen unsere politische Arbeit aber nicht auf Feminismus-Basics und Aufklärungsarbeit für unsere „Genossen“ beschränken müssen, sondern haben einen gesamtrevolutionären Anspruch. Da unserer Gruppe als Ganzes und den cis Männern der Gruppe einzeln diese Grundsätze und das nötige Grundwissen aber fehlten, wurde auch nicht angemessen auf sexualisierte Gewalt reagiert. Bevor wir uns genug sicher fühlen konnten, unsere Bedürfnisse zu äussern, mussten wir zuerst Unmengen an Bildungs- und Sensibilisierungsarbeit leisten. Und selbst nach dieser Arbeit stiessen wir immernoch kaum auf Verständnis, gerade für unsere verschiedenen Strategien im Umgang mit sexualisierter Gewalt bzw. deren Verarbeitung.
 
Denn feministische Bildung ist in der Gruppe und in der gesamten linken Szene seit jeher viel zu kurz gekommen. Und selbst nach Monaten, die mit Diskussionen über feministische Prinzipien gefüllt waren, haben unseres Erachtens nach die cis Männer der Gruppe kein ausreichend fundiertes Verständnis für die Funktionsweisen und Zusammenhänge von sexualisierter Gewalt erreicht. Das Verständnis geht in der Regel nicht über „Vergewaltigungen sind Gräueltaten“ heraus. Doch sexualisierte Übergriffe und Vergewaltigungen sind keine Dinge, die einfach so passieren, es handelt sich dabei nicht um Einzelfälle. Diese Taten sind mit der Regelmässigkeit und Häufigkeit, bzw. Systematik, mit der sie begangen werden schlussendlich politische und absichtliche Handlungen, die das Patriarchat aufrechterhalten. Sexualisierte Übergriffe sind Gewalt, Gewalt die ausgeübt wird als Instrument um die eigene Dominanz zu beweisen und zu festigen und so das patriarchale Herrschaftssystem aufrechtzuerhalten. 
 
Für FLINT Personen ist sexualisierte Gewalt nie „nur“ die Tat an sich, als wäre das nicht schon genug. Gerade wenn solche Taten in unserem Umfeld, der linken politischen Szene, begangen werden, bedeutet das, dass wir konstant der Möglichkeit von Gewalt ausgesetzt sind. Auch wenn wir nicht direkt Betroffene eines spezifischen Übergriffs sind, wir sind immer potenzielle Betroffene. 
Denn dem Ausüben von sexualisierter Gewalt geht immer eine Handlungsentscheidung seitens der Täterperson voraus. Dass diese Entscheidung getroffen wurde bedeutet, dass das Ausüben sexualisierter Gewalt eine wählbare Option, ein denkbarer Gedanke war. 
Dass die Reitschulszene dabei versagt hat, einen Raum zu schaffen, indem diese Option gar nicht erst existiert weil Feminismus eine Selbstverständlichkeit ist, ist ein gutes Beispiel für die Verantwortung, die gerade in der Szene etablierte cis Männer (von denen es in der RJG einige gibt) als Einzelpersonen tragen. Es ist essenziell, dass diese Position ein Verständnis mit sich bringt, dass man auch als Einzelperson dafür zu sorgen hat, dass gerade junge und/oder der Szene neue cis Männer klare Positionierungen mitbekommen, was für Einstellungen und Verhaltensweisen okay sind und welche nicht. 
Dominantes und übergriffiges Verhalten fängt schon im „Kleinen“ an, insbesondere im Umgang von cis Männern der Szene mit jüngeren oder in der Szene weniger anerkannten FLINT Personen. 
Denn wem wird mit wieviel Respekt begegnet? Wem wird Zugang zu diesem politischen Umfeld gewährt? FLINT Personen können in diesem Umfeld nicht einfach politisch aktiv sein, sondern wir müssen uns ständig behaupten und uns Zugänge erkämpfen. Um der strukturellen Diskriminierung irgendwie entgegenzuhalten, bzw. dafür ein Stück weit zu kompensieren und in diesem Umfeld existieren zu können, müssen FLINT Personen sich entweder ein ausserordentlich fundiertes politisches Wissen aneignen und sich dadurch eine Daseinsberechtigung erarbeiten oder sie werden nur ihrer Begehrbarkeit wegen von den cis Männern in diesem Umfeld toleriert. Generell werden verschiedene FLINT Personen auch unterschiedlich stark gehört. Wir müssen alle Aspekte unseres Auftretens, vom Kleidungsstil über Körperhaltung bis hin zu Stimmlage, als strategische Mittel einsetzen, um dem entgegenzuwirken, und nicht mal das ist genug.
Das Äussern von (insbesondere feministischer) Kritik durch FLINT Personen ging mal für mal unter, wurde weder gehört noch ernst genommen. Generell wurden wir, abhängig von unserem Auftreten und unserem Tonfall, eingeteilt in „angenehme“ (sprich: ruhige, verträgliche, diplomatische, …) Feminist:innen und in „mühsame“ (sprich: konfrontative, direkte, …) Feminist:innen. So wurden wir entweder verharmlost oder verteufelt, auf jeden Fall nicht ernst genommen. Unsere Herangehensweisen wurden gegeneinander ausgespielt in einer Art und Weise, die klare Parallelen zeigt zu bürgerlicher Spaltung von linken Bewegungen (Unterteilung in „gute, friedliche“, und „böse, gewaltbereite“ Linke).
Generell gilt: Als feministische FLINT Person können wir es niemandem Recht machen – entweder wir sind zu lieb, oder zu böse, es geht immer um die Art und Weise wie wir kritisieren und nie um unsere Kritik.
 
In diesem antifeministischen Umfeld, nach den erwähnten Übergriffen auch noch Aufarbeitungsprozesse zu stemmen stellte sich für uns FLINT Personen als unmöglich heraus. Denn nicht nur blieb die ganze Aufarbeitung an uns hängen sondern wir mussten auch noch die feministische Grundbildung übernehmen. Das hat uns unglaublich viel Energie und sonstige Ressourcen gekostet und eine ganze FLINT Generation der RJG wurde dadurch ausgebrannt. Dies, kombiniert mit unserer Sicht auf die Geschichte der Gruppe die leider genügend Beispiele für Sexismus und übergriffiges Verhalten bietet, führte bei uns zum Bedürfnis, die letzte Generation von FLINT Personen zu sein, die die Gruppe aus diesen Gründen verlassen. Wir wollten uns nicht einfach ohne Aufschrei aus der Gruppe zurück ziehen, sondern wir wollten der Sache ein für alle Mal ein Ende bereiten.   
 
Denn trotz all der Arbeit die auch dieses mal wieder von FLINT Personen in feministische Bildung gesteckt wurde hat sich kaum etwas verändert. Unseren Bestreben wurde nicht nur mit Desinteresse, Ablehnung und Unverständnis begegnet, sondern wir wurden gar mit verbalen Angriffen und Diffamierungen konfrontiert. Äusserungen wie „Wann können wir denn endlich wieder richtige Politik machen?“ zeigen auf, dass die cis Männer unserer Gruppe unsere Anliegen bis zum Schluss nicht ernst genommen haben. 
 
Denn die politischen Prioritäten der Gruppe wurden nie zugunsten des Feminismus gesetzt. So wurden z.B. die feministische Revolution in Rojava zwar gefeiert (obwohl die Kämpferinnen teilweise mehr fetischisiert als respektiert wurden), feministische Kämpfe in unserem eigenen Umfeld wurden aber nicht unterstützt und kaum wahrgenommen. 
Feminismus wird in der Theorie zwar gutgeheissen jedoch nur solange der Kampf weit weg von den eigenen Dunstkreisen bleibt. Die Auseinandersetzung mit Sexismus im eigenen Umfeld ist zu unbequem und deswegen priorisierten die „Genossen“ lieber „richtige Politik“. 
Für Partyaktivismus in Form von Raves war immer Energie und Motiviation vorhanden, für feministische Arbeit waren aber grad keine Kapazitäten frei. Anstatt an wichtige Sitzungen zur Thematisierung der sexualisierten Gewalt des Täters und der Täterschützer zu erscheinen, standen viele cis Männer, nachdem sie sich wochen- oder gar monatelang nicht am Gruppengeschehen beteiligten, bei der Aussicht auf antifaschistische „Handarbeit“ urplötzlich wieder auf der Matte. Antifaschistische „Handarbeit“ und Raves gegen Gentrifizierung sind wichtige Aktionsformen, doch sie dürfen nicht alleine stehen. Gerade angesichts der akuten Notwendigkeit feministischer Arbeit war es für uns FLINT Personen ein Schlag ins Gesicht, dass diese Arbeit jeweils gänzlich vermieden wurde. Dass neben diesen Aktionsformen explizit feministische Arbeit vergessen ging zeigt auch, dass in diesen Fällen nie besonders viel Tiefgang dahinter steckte.
Der gemeinsame Nenner dieser letzen zwei Beispiele ist die fehlende Priorisierung von Feminismus zugunsten von Selbstprofilierung. Sich mit der eigenen Männlichkeit und den Strukturen des Patriarchates auseinanderzusetzen und die politische Arbeit der FLINT Genoss:innen zu unterstützen wurde nicht als „cool“ und „revolutionär“ angesehen, weil es ja nicht „richtige Politik“ sei.
 
Die Aussenwirkung, die diese Priorisierung mit sich brachte, wurde in der Gruppe nur selten thematisiert, und wenn, dann ohne Konsequenzen. Denn da der Gruppe wie bereits erläutert Grundsätze und Ziele fehlten, brachte es auch nichts, diese zu reflektieren. Dies stand in Widerspruch dazu, dass die Aussenwirkung der Gruppe für jene Mitglieder, die ihrer Selbstprofilierung wegen Teil davon waren, durchaus wichtig war, da sie weiter dazu dienen sollte, ihnen Status und Respekt in der Szene und in ihrem Umfeld zu verschaffen. Denn die RJG nimmt in einem Teil der berner Polit-Szene und deren Aussenwirkung eine prägende Rolle ein. Gerade für jüngere Gruppen hat die RJG eine gewisse Vorbilds- und Machtposition. Dies kommt mit einer Verantwortung, die wir als RJG nicht wahrgenommen haben. 
Der Fokus vieler cis Männer der Gruppe und generell der linken Szene auf Selbstprofilierung anstatt auf ganzheitliche revolutionäre Ansprüche bringt dem Kampf für eine befreite Gesellschaft nur begrenzt viel und machte dieses Umfeld für uns FLINT Personen keines, in dem wir politisch aktiv sein können oder wollen. 
 
Anfang des Jahres begannen wir uns als (die wenigen) FLINT Personen der Gruppe zu organisieren. In unseren Sitzungen konnten wir uns über die toxischen Dynamiken und den strukturellen Sexismus der Gruppe und unser Unwohlsein in diesem politischen Umfeld austauschen. Für uns stellte dies einen Wendepunkt in unserer Herangehensweise und in unseren Möglichkeiten dar. Durch unsere Vernetzung und diese Diskussionen konnten wir einander den Rücken stärken. Diese Selbstorganisierung war der Schritt, der uns ermöglichte, geschlossen aufzutreten und Forderungen zu stellen, zuletzt unsere Forderung der Auflösung der Gruppe.
 
Als wir die Forderung der Auflösung kommunizierten, wurde von der Gruppe ein fundierter Auflösungsprozess und Selbstanalyse als Eigenanspruch definiert. Doch auch hier ist die RJG wieder gescheitert. Die Auflösung ist wieder geprägt von Selbstprofilierung, diesmal jedoch unter einem feministischen Deckmantel. Von einem fundierten Auflösungsprozess kann nicht die Rede sein, beteiligten sich doch nur ein Bruchteil der Mitglieder an den Sitzungen. Die Fähigkeit von einigen cis Männern sich politischen Konfrontationen und Auseinandersetzungen zu entziehen ist mal wieder bemerkenswert. Die Art und Weise wie sich dieser „Prozess“ entwickelt hat, zeigt bis zuletzt, dass die Auflösung der Revolutionären Jugend Gruppe Bern die einzige richtige Konsequenz ist. 
 
 
Abschliessend möchten wir nochmals festhalten:
 
Unser Ziel als linke Bewegung muss es sein, Ausbeutung und Unterdrückung zu bekämpfen. Um dies erreichen zu können müssen wir innerhalb unserer Organisationen Mechanismen schaffen, um struktureller Gewalt und Unterdrückung strukturell begegnen zu können.
Diese Mechanismen müssen wir ausgehend von unseren Grundsätzen erarbeiten und immer wieder überarbeiten. 
Unsere Legitimation als Organisationen ergibt sich aus deren Rolle in der Förderung des revolutionären Kampfes. Damit wir handlungsfähig sind müssen wir diese Rolle immer wieder analysieren und unsere politische Praxis nach innen wie nach aussen immer wieder danach ausrichten.
Ausserparlamentarischer Aktivismus braucht Bildungsarbeit und Selbstanalyse, um jeglichem bewusst politischen Handeln ein Fundament zu geben.
Feminismus muss in den Grundsätzen linker Organisationen verankert werden, damit wir ausgehend davon unsere Positionen schärfen und weiterentwickeln können. Es kann nicht sein dass wir immer wieder feministische Grundprinzipien erkämpfen müssen und dabei FLINT Generation um FLINT Generation durchbrennt.
 
Und zuletzt: Unsere wichtigste Erkenntnis aus dem vergangenen Jahr, ist die Kraft, die uns eine feministische Selbstorganisation innerhalb unserer Gruppe gegeben hat. 
Wir wollen alle unsere FLINT Genoss:innen, die sich wie wir in gemischten Kontexten bewegen, dazu ermutigen, sich auch mit dieser Möglichkeit auseinanderzusetzen.
Wir konnten uns in unserem geschlossenen Auftreten gegenseitig die Unterstützung geben, die wir von anderswo nicht erhalten haben. Wir konnten uns den Raum für unsere Kritik und unsere Forderungen nehmen, der uns schon immer zustand.
 
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Den Begriff FLINT haben wir gewählt, weil wir als Schreibende uns damit am besten beschrieben fühlen. Dass der Begriff auch seine Tücken hat ist uns zwar bewusst, dennoch ist er der beste, der uns bis jetzt über den Weg gelaufen ist, was die Beschreibung von verschiedenen, strukturell durch das Patriarchat benachteiligten Positionen angeht. Dass wir alle FLINT Personen sind bedeutet nicht, dass wir gegenüber anderen FLINT Personen nicht diskriminierend handeln können und hält z.B. auch insbesondere die weissen von uns nicht von rassistischem Verhalten ab. In diesem Text haben wir uns auf den strukturellen Sexismus, welchen wir erlebt haben, bezogen. Es gab jedoch auch weitere Gründe, weshalb Menschen diese Struktur verlassen haben, wie beispielsweise strukturellen Rassismus. Wir haben uns bewusst dazu entschieden, aus unseren eigenen Erlebnissen zu erzählen, und nicht für andere Menschen und ihre Diskriminierungserfahrungen sprechen.
Auch können wir nicht für alle FLINT Personen sprechen, die jemals in der RJG organisiert waren, da aufgrund fehlender Kontinuität gar keine Kontakte zu den meisten bestehen. Nicht einmal für die zum Zeitpunkt des Auflösungsbeschlusses aktiven FLINT Personen können wir sprechen. Unser Ziel, mit unserer Auflösungsforderung weitere Burnouts von FLINT Personen zu verhindern, wird hoffentlich im Bezug auf zukünftig aktive FLINT Generationen erfolgreich sein, doch von uns haben sich viele aus Selbstschutz zurückziehen müssen. Zum Zeitpunkt, als wir uns entschieden haben, die Auflösung zu fordern, waren wir ca. zehn FLINT Personen, davon hat sich die etwa die Hälfte spätestens während des Auflösungsprozesses des Gruppe zurückgezogen. Wir die diesen Text schreiben, sind die Übriggebliebenen.