Das Coronavirus stellt unser aller Arbeitsleben auf den Kopf. Während manche von Zuhause aus oder gar nicht mehr arbeiten, verschliesst der Staat die Augen vor der Realität auf den Baustellen. Ein Sicherheitsabstand von zwei Metern ist oftmals genau so wenig möglich wie persönliches oder zumindest desinfiziertes Werkzeug. Auch werden Arbeiten, die einen Abstand von weniger als zwei Metern erfordern, nach 15 Minuten nur kurz unterbrochen, um sie zeitnah wieder aufzunehmen. Verhaltensempfehlungen werden ad Absurdum geführt, die Leidtragenden sind die Arbeitenden. Die Hygienesituation auf den Toiletten ist meist desaströs, teilweise ist nicht einmal Seife vorhanden. Vielerorts werden die Gruppentransporte ohne genügend Abstand zwischen den Arbeitenden durchgeführt.  Das Ansteckungsrisiko auf Baustellen ist besonders Hoch, die körperlich harte Arbeit oft schlecht bezahlt.
Dies liessen die Arbeitenden auf verschiedenen Baustellen nicht auf sich sitzen. In Genf, Waadt und Basel wurden Baustellen erfolgreich bestreikt, im Kanton Genf konnte eine Schliessung aller Baustellen erreicht werden.
Der Bundesrat versucht jedoch weiterhin einen generellen Arbeitsstopp in der Industriezweig zu verhindern. Dies zeigt den Klassencharakter der Coronakrise besonders deutlich: Profitinteressen werden höher gewichtet als die Gesundheit der arbeitenden Bevölkerung. Der Schutz vor einer Ansteckung wird zu einem Luxus gemacht, den man sich leisten können muss. Es zeigt sich deutlich, dass der Kapitalismus nichts taugt, um diese Krise bewältigen zu können. denn die Profitinteressen sind nicht vereinbar mit dem Bedürfnis, gesund bleiben zu können.
Wie so oft sind jene die Leidtragenden, welche kategorisch vom selbst erarbeiteten Mehrwert ausgeschlossen sind. In Zeiten eines Aufschwungs, werden den Arbeiter*innen die Profite vorenthalten und darauf verwiesen, die Eigentümer*innen der Betriebe würden schliesslich das ganze Risiko tragen. Nun versuchen Industrielle und der Staat, die Menschen zu erpressen, zur Arbeit trotz gesundheitlicher Gefahr zu zwingen und drohen mit Jobverlust. Gewinne werden privatisiert, Verluste sollen kollektiviert werden. Es muss daher klar sein, dass nur eine volle Lohnfortzahlung akzeptabel ist. Zu niedrig sind die bisherigen Löhne, insbesondere der ungelernten Hilfsarbeitenden, um mit 80% dessen über die Runden zu kommen.Besonders perfide ist dabei, dass Baufirmen damit drohen, im Falle eines Baustopps, die Arbeitenden zu 13 Stunden Schichten zu zwingen, nachdem die Arbeit wieder aufgenommen werden könnte.
Doch diese Krise zahlen wir nicht. Erinnern wir uns an 2008, als der Bundesrat mit Notstandsgesetze nutzte, um 60 Milliarden Franken für Banken locker zu machen und die europäischen Staaten in Griechenland durch neoliberale Sparprogramme Existenzen zerstörte. Es ist eine bewusste politische Entscheidung des Staates, die arbeitenden Menschen dieser Ansteckungsgefahr auszusetzen.
Stellen wir uns kollektiv jeglichen Massnahmen entgegen, welche nur den Profit, nicht aber die Gesundheit der Menschen in den Vordergrund stellen. Führen wir den Arbeitskampf, unterstützen wir all jene, die seit Jahren gegen die Ausbeutung im Baugeschäft ankämpfen. Lassen wir den Staat spüren, was wir von ihm und seiner Wirtschaftspolitik halten!