Die für heute Samstag geplante Demonstration „Kein Mensch ist illegal“ wird zum Schutz der vom Corona Virus gefährdeten Menschen abgesagt. Es wird keinen Umzug oder Kundgebung in der Stadt geben. Jedoch wird unser Widerstand mit Transparenten, Kleber, Plakaten, kleinen Aktionen etc sichtbar gemacht – beteilige dich auch daran! Denn gerade in diesen Zeiten ist es wichtig weiterhin aktiv zu bleiben und den gegenwärtigen Tendenzen zur Abschottung und der rassistischen Stimmungsmache entgegenzuhalten. Zeigen wir unsere Solidarität in dem wir uns und die Mitmenschen schützen und in dem wir betroffenen Menschen Hilfe und Unterstützung anbieten. Machen wir klar, dass in Zeiten der Epidemie und der sich zuspitzenden Krise des Kapitalismus nicht Abschottung sondern gegenseitige Hilfe und kollektives Kämpfen angesagt sind!

 

Kein Mensch ist illegal, Solidarität kennt keine Grenzen
Samstag; 14.März 2020, 15 Uhr, Schützenmatte Bern
Im vollen Bewusstsein, dass die griechische und bulgarische Grenzwache die Menschen mit Gewalt davon abhalten werden nach Europa zu gelangen, öffnete Erdogan letzte Woche die Grenzen nach Bulgarien und Griechenland. Dies ist nur ein weiteres Mal, dass Politiker*innen zum eigenen Machterhalt mit dem Leben von geflüchteten Menschen spielen. Und dies nicht nur in der Türkei oder anderen Ländern, die uns fern wirken, sondern auch hier bei uns. In
den Bundesasylcamps werden die geflüchteten Menschen auf eine Zahl reduziert und vom System sowie von der Gesellschaft entmenschlicht.

Das Resultat der Entscheidung Erdogans ist, dass sich zehntausende Menschen zwischen den Grenzposten des türkischen, bulgarischen und griechischen Staates befinden und von allen Seiten mit Waffengewalt bedroht werden. Die
türkischen Sicherheitskräfte verhindern ein Zurückweichen, die bulgarischen und griechischen ein Vorrücken in Richtung Europa. Gleichzeitig macht der türkische Staat alles, um noch mehr Menschen in diese Situation zu bewegen.
In den türkischen Staatsmedien werden Karten gezeigt, wie die Menschen nach Deutschland oder Frankreich kommen werden und die Grenzübergänge werden gezeigt.

Wie Europa reagiert, zeigt wieder einmal, wie rassistisch unsere Gesellschaft im Kern ist. Statt den Menschen zu helfen, werden die Grenzen verstärkt und auf Kosten der Gesundheit und der Leben der geflüchteten Menschen mit allen Mitteln versucht zu verhindern, dass sie nach Europa
kommen können. Geflüchtete Menschen werden nicht als Menschen, sondern nur als Geflüchtete angeschaut, als eine lästige Zahl, die so klein wie nur möglich werden sollte.

Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass diese Entmenschlichung von geflüchteten Menschen auch hier in der Schweiz passiert. In den Bundesasylcamps leben die Menschen auf engstem Raum, umgeben von privaten
Sicherheitsdiensten, die das Leben dort kontrollieren. Der Zugang zu psychologischer Hilfe zum Beispiel ist nur ungenügend gewährleistet, gegeben, dass die Flucht an sich, sowie die Fluchtursachen oft Traumata zur
Folge haben.

Deshalb dürfen wir nicht beim Demonstrieren aufhören. Solidarität mit geflüchteten Menschen beinhaltet nicht nur das darauf aufmerksam machen, sondern auch die aktive Unterstützung der geflüchteten Menschen in den Lagern in Griechenland und besonders der geflüchteten Menschen, die hier von der Gesellschaft ignoriert leben.

Wir wollen nicht, dass es nur bei dieser Demonstration oder nur bei Demonstrationen bleibt! Solidarität muss gelebt werden, sonst ist sie keine. Hinterfrage deine Privilegien, hinterfrage wie du über Menschen denkst, frage dich, was du tun kannst, um das Leben eines einzelnen geflüchteten Menschen besser zu machen. Verlieren kann mensch dabei nicht viel, ausser der Angst vor dem Anderen und gewinnen kann man Dankbarkeit und das Gefühl wirklich etwas bewegt zu haben.