Drei Wochen nachdem wir innerhalb der giletsjaunes-Demo ein klares Zeichen gegen Rassismus und FaschistInnen setzen konnten, stand die nächste grosse regionale Mobilisierung nach Lyon an. Wiederum wollten auch wir uns am antirassistischen Block beteiligen. Zu diesem Block kam es leider nicht.

Wie konnte das geschehen?
Als Startpunkt für die erste bewilligte giletjaunes-Demo in Lyon galt der „Palais de Justice“, mitten in einem der faschistisch dominierten und geprägten Quartiere. Dort einen Block zu bilden schien etwas gar waghalsig und so beschloss man sich, wie gewohnt auf dem Bellecour zu besammeln und später zur Demo zu stossen. Auf dem Bellecour kamen jedoch zu unserer Enttäuschung nur sehr wenig Leute zusammen, zudem meldeten die Spähteams viele organisierte und bewaffnete Faschos in der Stadt. Mit diesem Hintergrund entschlossen wir uns, uns zurückzuziehen.
Gleichzeitig wollten wir uns jedoch auch ein Bild der Demo machen. Vor dem „Palais de Justice“ konnte wir einige FaschistInnen entdecken, und während des Umzuges hatten sie ein Transparent an der Spitze. Vereinzelt waren auch kleiner Grüppchen von Neonazis sichtbar. Ein grosser Teil der Demo machte nach aussen jedoch eher einen linken Eindruck: so hatte es viele Junge mit Migrationshintergrund, eine sozialkritische Rede wurde gehalten, Sprechgesänge gegen Kapitalismus (nicht aus den Reihen der Faschos) geschrien, Schilder mit linken Forderungen/Aussagen hochgehalten, Gewerkschafter*innen waren präsent. Insgesamt waren wohl 2’500 Menschen auf der Strasse.
Nach gut der Hälfte der Route schob sich dann unmissverständlich ein Block von ca. 80 Faschisten, viele vermummt und jeder von ihnen bewaffnet mit Knüppel in die Demo ein. Sie agierten stets als ganzer Block und marschierten sehr strukturiert. Viele von ihnen waren (sehr) jung, jedoch hatte es auch einige bekannte Gesichter und gefestigte Neonazis.
Drei Aktivitäten dieser Gruppe konnten wir feststellen: ein kurzer Sprechgesang, ein Gruppenfoto am Schluss sowie ein Angriff auf vermutlich Linke mit mindestens einem Verletzten, der eine Platzwunde am Kopf erlitt und von den Streetmedics verarztet werden konnte.
Bei diesem Angriff empörten sich sehr viele rund um die Geschehnisse, warnten die Anderen vor den Faschos und distanzierten sich räumlich klar davon. (Dasselbe beobachteten wir auch bei sexistischen Gesängen im Vorfeld, was uns sehr erfreut hat!) Generell war die Neonazigruppe häufig etwas isoliert und nicht wirklich Teil des Umzuges, dies auch nur schon kleidungstechnisch.
Die migrantischen Jugendlichen erkannten die Gruppe bereits nach kurzem und warnten sich gegenseitig vor ihr, während sie sich noch gut und positiv an unseren Block von vor drei Wochen erinnern konnten.

Folgendes ziehen wir aus dem Gesehenen:
-die Faschisten waren heute leider physisch (zu) stark präsent und uns überlegen
-die Faschisten konnten in der Demo weder Fuss fassen noch sie prägen, dazu ist die Abneigung ihnen gegenüber zu gross
-die Faschisten haben (noch) nur mässiges Interesse, in die Bewegung hineinzugehen sondern suchen eher Gegner*innen / Antifas / Linke

Am ActeXVI mussten wir mit einer klaren Niederlage nach Hause kommen. Unser ursprünglicher Plan klappte nicht ansatzweise; den Faschisten mussten wir die Demo überlassen und setzten dadurch unorganisierte Leute Gefahr aus.

Was wir mitnehmen sind die gute Grundstimmung, die allgemeine Abneigung gegen die Faschos, das Potenzial der Jugendlichen sowie die Notwendigkeit, dass wir uns in die Bewegung der giletsjaunes begeben müssen. Wir dürfen uns nicht spalten lassen und müssen antifaschistische Arbeit dort machen wo sie anfällt.

So werden auch wir wieder nach Lyon gehen!
Lyon est antifasciste!
LyonLyonAntifa

(last but not least: Die Bullen haben sinnlos Unmengen an Tränengas und Flashballs verschossen und dabei viele Menschen verletzt. Wir erhoffen uns dadurch die Schlussfolgerung, dass es nun wirklich absolut keinen Sinn ergibt, Umzüge zu bewilligen und sich an Routen zu halten.)