Update: Über 1000 Menschen haben am Nachmittag des 4.2.2017 mit einer kräftigen Demo durch Bern gezeigt, dass sie nichts halten von Rassismus, Grenzen und Nationen. Mehr dazu unter antira.org

Morgen am 04. Februar findet in Bern eine grosse Demonstration gegen Rassismus statt.
Das Bleiberecht Kollektiv hat für diese ein Gesuch für eine Bewilligung eingereicht.
Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass es keiner Bewilligung bedarf um sich die Strasse für politische Anliegen zu nehmen. Allerdings ist es ohne Bewilligung nicht möglich, dass auch Menschen ohne Papiere oder mit gefährdetem Aufenthaltsstatus an einer Demonstration teilnehmen können.
Beim Kampf gegen Rassismus geht es gegen die Unterdrückung und Diskriminierung die People of Color, Migrant*innen und Geflüchtete erfahren. Deshalb ist es wichtig, dass Proteste auch von Betroffenen mitgetragen werden können, ohne dass diese Angst vor Racial Profiling, Repression oder gar Verschleppung (Ausschaffung) haben müssen.

Die Behörden haben abschliessend folgendes auf die Gespräche um das Gesuch des Bleiberecht Kollektivs geantwortet:

Sehr geehrte XX
Ich schreibe Ihnen im Auftrag des Gemeinderats. Der Gemeinderat hat an seiner heutigen Sitzung beschlossen, dass Ihre Kundgebung nur auf der vom Polizeiinspektorat an der Sitzung vom 23. Januar 2017 vorgeschlagenen Alternativroute bewilligt werden kann.

Dies ist somit folgende Route: Unterer Waisenhausplatz (Besammlung) – Zeughausgasse – Kornhausplatz – Rathausgasse – Kreuzgasse – Kramgasse – Kornhausplatz – Zeughausgasse – Aarbergergasse – Bollwerk – Schützenmatte.

Das Polizeiinspektorat wird Ihnen so rasch wie möglich eine Bewilligung für die Kundgebung auf dieser Route ausstellen.
Freundliche Grüsse
XX

Begründet wird diese Route, welche möglichst abseits des Geschehens verläuft damit, dass sich die Sicherheitseinschätzungen der Behörden geändert hätten. Grund für die Änderungen war unter anderem auch unser Aufruf auf Facebook. In diesem erklärten wir uns solidarisch mit der Demonstration und riefen dazu auf, sich sowohl an der Demonstration als auch an der Mobilisierung zu beteiligen.

Dass die Behörden es nicht gerne sehen wenn wir uns an Protesten beteiligen ist ja bekannt. Politischer Aktivismus muss sich nämlich in den Augen der Politik und einem grossen Teil der Bevölkerung stets in dem vorgegebenen Rahmen der herrschenden Verhältnissen bewegen.
Wenn die Inhalte einer Bewegung die Strukturen dieser Gesellschaft grundsätzlich kritisieren, werden diese extremistisch und illegitim abgetan. Was wir von der Extremismustheorie halten könnt ihr in unserem Text dazu nachlesen.

Wir sehen die Entscheidung der Behörden und ihre Begründung als Versuch die antirassistische Bewegung in „gute“ und „schlechte“ Teile zu spalten.
Wir lassen uns von diesen Versuchen nicht beeindrucken. Wir beziehen unsere Positionen und tragen unsere radikalen Inhalte nach aussen unabhängig davon wie bequem diese für die herrschenden Verhältnisse sind.
Wir werden uns weiterhin mit allen solidarisieren, die sich für eine herrschaftsfreie und solidarische Welt einsetzen. 

Wir sehen uns Samstag 14:00 auf dem Waisenhausplatz.

Hoch die transnationale Solidarität!
Für die soziale Revolution!