Freiheit für alle politischen Gefangenen – 18. März 2018

Wir leben in einer Welt, in der Krise auf Krise folgt, in der reaktionäre und faschistische Strömungen wieder aufkeimen, in der Umweltzerstörung, Vertreibung und Diskriminierung alltäglich sind. Wo viel Scheiss passiert, gibt’s aber auch viel Widerstand. Überall auf der Welt gibt es Menschen, die sich gegen diese brutalen herrschenden Verhältnisse wehren und aktiv Alternativen aufzeigen, für ihre Ideale kämpfen oder sich für ganz grundlegende Sachen einsetzen. Gerade weil wir andere Vorstellungen vom Leben und kollektiver Organisation haben, gerade weil wir für unsere Anschauungen einstehen und uns dadurch exponieren, werden wir zum Ziel von (staatlicher) Repression.

Repression ist Einschüchterung, Unterdrückung und Machtausübung. Repression will uns Angst einjagen, uns klein kriegen, uns paranoid machen, uns zum Aufgeben zwingen. Repression reicht von Polizeipräsenz, Überwachung, Gummischrott, schikanösen Kontrollen, Bewährungsstrafen, DNA-Abgabe, Bussen, Meldepflichten, Ausschaffungen, Angriffen auf unsere Strukturen bis hin zu brutalen Razzien und unzähligen weiteren Formen. Als Abschreckung wird bei politischen Prozessen häufig ein Exempel statuiert und sich dadurch erhofft, dass es keine „Nachahmenden“ geben wird. Eine besonders krasse und folgenschwere Form von Repression ist der Freiheitsentzug.

Justizvollzugsanstalten haben nebst der Bestrafung das Ziel, Menschen zu „resozialisieren“. Einerseits sollen sie nach Verbüssen ihrer Strafe wieder ein funktionierendes Teil der Gesellschaft werden, dadurch einen Mehrwert erwirtschaften und sich an alle Gesetze und Normen halten. Sich „normal“ verhalten in einer Gesellschaft, welche sich dadurch auszeichnet, gestörte Leistungsbereitschaft zu leben und sich untereinander zu bekämpfen, statt sich gegen oben zusammenzuschliessen. So darf man sich kritisch äussern, solange sich diese Kritik mit den bürgerlichen Vorstellungen des Lebens verträgt. Schwört man seinen politischen Vorstellungen, Ideen oder Konzepten nicht ab, kommt man nicht oder erst viel später aus dem Knast. Gutes Beispiel dafür ist Marco Camenisch, welcher unzählige Jahre (länger) sitzen musste, weil er zu seinen revolutionären Ansichten stand und sich nicht per se gegen Gewalt aussprach.

Wichtig ist: Repression zielt auf Einzelne, gemeint sind aber wir Alle!
Deswegen ist es für unsere Solidarität und unsere Unterstützung von Genoss*innen wichtig, dass wir keine Unterscheidung machen zwischen Verurteilungen aufgrund von Sitzblockaden, Sachbeschädigungen, Hausbesetzungen, direkten Angriffen auf staatliche Autoritäten oder bewaffneten Widerstandes. Die plötzliche Isolation durch den Knast, das Fehlen des bestehenden sozialen Umfelds und die völlig neue, menschenfeindliche Umgebung sind einschneidende Erlebnisse. Für die Leute im Gefängnis, ist es wichtig zu spüren, dass sie nicht alleine sind, dass an sie gedacht und weitergekämpft wird. Ob mit Briefen und Postkarten, mit Böllern und Pyros, mit Besuch und finanzieller Unterstützung, mit Kampagnen und organisatorischer Hilfe, spielt keine Rolle! Es ist aber nicht so, dass sich Gefangene nicht auch selbst organisieren und wehren: es gibt immer wieder Streiks, Aufstände oder solidarische Unterstützung. In der Schweiz gab es dies zuletzt Ende Jahr im Knast Thorberg als sich viele kollektiv zusammenschlossen und streikten. Einzelne Eingesperrte helfen auch aktiv beim Kampf ausserhalb der Gefängnisse mit, zum Beispiel mit Übersetzungsarbeit oder Solibotschaften.

So führen einerseits wir draussen den Kampf für diejenigen im Knast, wie auch die drinnen den Kampf für uns draussen führen!

Repression besteht nicht aus vielen Einzelfällen, sondern hat System. Der Kampf gegen die herrschenden Verhältnisse ist unweigerlich auch mit dem Kampf gegen Knast und Repressionsapparat verbunden!
An 365 Tagen im Jahr sitzen Genoss*innen hinter Gitter. Lassen wir sie an jedem dieser Tage unsere Unterstützung und unsere Solidarität spüren!

Freiheit für alle politischen Gefangenen!

Wie schreibe ich Briefe an Gefangene?

 

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