fight the players – smash the game

Heute gingen rund 350 Menschen in Zürich unter dem Motto „üsi Stadt, üsi Quartier“ auf die Strasse, um ein kämpferisches Zeichen gegen Gentrifizierung zu setzen. Der Kampf gegen Aufwertung und Vertreibung ist ein Kampf um die Stadt, den zahlreiche Unternehmen für sich gewinnen wollen – zu Ungunsten jener, die sich die neue, schicke Stadt nicht leisten können.
Eine Vielzahl an Unternehmen treibt diesen Prozess voran und profitiert durch die Gentrifizierung.

Mit unserem Transparent gingen wir auf vier solche Gentrifizierungsfaktoren ein:

Sobald es um den Bau von Luxusprojekten geht, ist die SBB ganz vorne mit dabei. Sei es in Bern mit dem Bau der „Wankdorf City“, einem teuren Neubauquartier am eher günstigen Nordrand der Stadt oder ihr Vorzeigeprojekt „Europaallee“ in Zürich, einer überteuerten Konsumstrasse, die sich vom Bahnhof bis in den immer teurer werdenden Kreis 4 zieht. Die SBB versucht sich vielerorts im Immobilienmarkt zu etablieren. Aktuell sollen auch an der Neugasse eine teure Überbauung entstehen.

Was als kleines, alternatives Lokal begann, entwickelte sich schnell zu einer hippen Location mit Expansionsdrang: Die Gelateria di Berna. Auch wenn es kein grosses Unternehmen ist, prägt die Eisdielenkette an ihren Standorten die Umgebung. In der Berner Länggasse, wo früher viele italienische Arbeitnehmende günstigen Wohnraum fanden, können sich nun hippe Studierende und Familien mit locker sitzender Geldbörse das Italien Ferien Feeling gönnen (Glace, Cafes und frische Pasta). Wie ein angestammter Bewohner des Quartiers in einem SRF-Beitrag sagte, habe man nun eine italienische Piazzastimmung. Nur die Italiener fehlten. An der Züricher Weststrasse das selbe Phänomen: Wo früher die Asyl-Beratungsstelle ihren Platz fand, stehen Menschen Schlange, um bei den fast ausschliesslich jungen Frauen ein Eis zu bestellen. Die Gelaterie ist Ausdruck, wie auch antreibender Faktor im Gentrifizierungsprozess.

Der Milliardenkonzern Google hat in Zürich ihren grössten Forschungsstandort ausserhalb der USA errichtet. Dies hat weitreichende Folgen für das Stadtbild. So mietet Google eine beachtliche Fläche an der Zürcher Europaallee und ist bestrebt, ihren Standort in den nächsten Jahren massiv auszubauen. Die jungen, gut ausgebildeten und ebenso gut bezahlten Fachkräfte, die Google dafür in die Stadt holt, werden schon bald die angestammte Wohnbevölkerung in verschiedenen Stadtteilen verdrängen. Auch finanziert Google viele Start-Ups, die sich als junge alternative Kreativ-Unternehmen verkaufen und durch ihre Ansiedelung in den Städten, die Zentren vermehrt zu reinen Geschäftszonen machen und den Druck auf die Wohnbevölkerung steigern.

Einer der grössten Schweizer Konzerne, die Migros, vergrössert und erweitert sich stetig. Darunter leiden jene, die den massiven Neubauten weichen müssen oder deren Miete sich durch neu gebaute Shoppingtempel in der Nachbarschaft steigert. So musste in Bern am Breitenrainplatz ein Wohnhaus weichen, um die dortige Filiale zu erweitern. Neue günstige Wohnungen sind im hip gewordenen „Breitsch“ nicht zu erwarten. Auch am Westrand der Stadt steht mit dem Westside ein neues Einkaufszentrum, welches ein bedeutendes Rad im Getriebe der Gentrifizierung von Berns Westen darstellt.
Mit ihrer Kulturförderung sorgt die Migros ausserdem dafür, dass unkommerzieller Kunst und Kultur der Raum genommen und verdrängt wird. Sogar in der Grossen Halle bei der Reitschule fördert die Migros ein Programm, welches einzig jenen zur Verfügung steht, die sich die hohen Preise leisten können.

Dies sind nur 4 Beispiele von einer langen Liste von Playern, die von der Aufwertung profitieren und diese voran treiben. Gegen diesen Angriff von oben braucht es unseren Widerstand von unten! Organisiert und wehr euch! Bleibt kreativ!

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