Einige Worte zum Referendum in Südkurdistan/Nordirak

Heute wird in der kurdischen Autonomieregion im Nordirak über eine Unabhängigkeit vom restlichen Irak abgestimmt, ein „Ja“ scheint dabei sehr wahrscheinlich.
Grundsätzlich sehen wir allerdings einen neuen Nationalstaat nicht als Lösung des Problems. Im Gegenteil öffnet er Tür und Tor für viele Unterdrückungsmechanismen, einfach unter neuer Flagge.
Hinzu kommt, dass das Referendum die Macht Barzani, de facto Präsident eines grossen Teiles der Autonomieregion im Nordirak, stärken soll – einem machtgierigen Clan-Führer, der freundschaftlich mit dem Türkischen Diktator Erdogan kooperiert, die ezidische Bevölkerung in Shengal verraten hatte und damit mitverantwortlich für tausende tote und versklavte Menschen ist, Rojava zu sabotieren versucht, Journalist*Innen verfolgt und sich seit Jahren undemokratisch an der Macht festhält. Ein „Ja“ zu einem kurdischen Staat im Nordirak würde momentan auch ein „Ja“ zu seiner Macht bedeuten.
Ein „Nein“ würde hingegen die kurdische Sache gegenüber den Besatzungsmächten Türkei, Iran, Syrien und dem Irak massiv schwächen. Es würde die Jahrzehnte lange Unterdrückung der kurdischen Bevölkerung könnte sogar in verstärkter Art weitergeführt werden.
Im Gespräch mit verschiedenen Menschen hörten wir zudem weitere Argumente für das Referendum: So könnte ein „Ja“ die Meinungsvielfalt stärken und damit eine echte Opposition zu Barzani stärker werden. Ausserdem dürften wir nicht vergessen, dass Menschen, die das massive Morden unter Saddam Hussein erlebt hatten, endlich eine Heimat wollen, in welcher sie
nicht aufgrund ihrer Ethnie verfolgt würden.

In diesem Konflikt sehen wir allerdings einen dritten Weg: Den Weg der Selbstbestimmung, der Selbstverteidigung und der Selbstverwaltung. Den Weg des demokratischen Konföderalismus, welcher allen Ethnien, Religionen und Kulturen die gleichen Rechte gewährt und keine Minderheiten unterdrückt. Wir sehen daher die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und ihre Guerilla (HPG/YJA-Star) als echte alternative zum Referendum und zu Barzani.

gez. einige Menschen der RJG Bern

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